Desinvestitionen als wichtiger Werttreiber

alt

Führungskräfte sind bei Desinvestitionen, sprich dem Verkauf nicht zum Kerngeschäft gehörender Unternehmensteile, oft zurückhaltend. Sie verzichten ungern auf Umsatz und fürchten, zu billig zu verkaufen. Zudem geht ein Verkaufsprozess meist mit einer hohen zeitlichen und personellen Belastung einher, der die Leistungsträger schnell den Fokus auf das Kerngeschäft verlieren lässt. Was den Kauf und die Integration neuer Geschäftseinheiten angeht, haben die meisten Unternehmen Erfahrung. Doch in puncto Desinvestitionen mangelt es ihnen häufig an der nötigen Routine.

Unsere Analysen zeigen klar: Desinvestitionen schaffen Mehrwert, insbesondere im Zusammenhang mit einer Neuordnung des Geschäftsportfolios. Dabei sind Veräußerungen von Unternehmensteilen wichtige Impulsgeber für die anderen Geschäftsfelder, können komplexe Strukturen vereinfachen sowie das Kerngeschäft eines Unternehmens beflügeln. Für den Erfolg von Carve-outs sind klare Desinvestitionsstrategien allerdings unerlässlich.

WEITERE PUBLIKATIONEN

Change-Management bei der Merger-IntegrationDen Wachstumskiller Komplexität eliminieren

MANAGEMENTKOMPETENZ

Mergers & Acquisitions

Vier Schritte einer effektiven Desinvestitionsstrategie

  1. Proaktives Portfoliomanagement. Die Portfolioanalyse sollte wesentlicher Baustein des jährlichen Strategieprozesses sein und folgende Fragen beantworten: Welchen Beitrag leisten einzelne Unternehmensteile zum profitablen Wachstum unseres Kerngeschäfts? In welcher Wettbewerbsposition befindet sich unser Unternehmen in den verschiedenen Geschäftsfeldern und wo können disruptive Entwicklungen eintreten? Besitzt unsere Organisation die erforderlichen Ressourcen und Kompetenzen, um das volle Potenzial aller Einheiten auszuschöpfen? Bestehen zwischen Geschäftsfeldern Umsatz- oder Kostensynergien? Wäre ein Geschäftsbereich in einem anderen Unternehmen womöglich besser aufgehoben? Wenn ja, in welchem? Bei einer systematischen Analyse und Beantwortung dieser Fragen lassen sich diejenigen Unternehmensteile erkennen, die unter einem anderen Eigentümer eine größere Wertsteigerung erzielen könnten.
  2. Strategische Vorbereitung des Verkaufs. Ein Geschäftsfeld sollte niemals übereilt abgestoßen werden. Stattdessen sollte ein detaillierter Projektplan über einen Zeitraum von sechs bis zwölf Monaten erarbeitet werden. Darin sollten zum einen die relevanten Prozess-Meilensteine (z. B. Mandatierung eines M&A-Beraters, Vorbereitung „Investment Memorandum“, Prüfung eines „Dual Track“-Verfahrens, Vorbereitung eines Datenraums) Zum anderen sollten aber auch nochmals detailliert die finanziellen und operativen Ziele des zu veräußernden Geschäftsfelds festgelegt werden. Darin liegt erfahrungsgemäß nochmal ein wichtiger Werthebel für den Verkaufspreis.
  3. Intensive Beschäftigung mit potenziellen Käufern und deren Erwartungen. Oft bleiben Ertragschancen ungenutzt, weil der Verkäufer dem Veräußerungsprozess nicht die volle Aufmerksamkeit schenkt. Erfolgreiche Desinvestitionen folgen einem besser durchdachten Plan. So ermittelt in einer Due Diligence zunächst der Verkäufer, welche Wertsteigerung noch erzielt werden kann und wie hoch Synergiepotenziale mit einem möglichen Käufer bewertet werden müssen. Dies erleichtert die Optimierung des Verkaufspreises oft beträchtlich.
  4. Konsequente Anpassung der bestehenden Strukturen nach dem Verkauf. Der Vertrag ist unterzeichnet. Nun müssen die künftigen Unternehmensprioritäten neu festgelegt und geschärft werden. Ein Carve-out ist immer auch eine Chance für einen Neuanfang mit einer stärker fokussierten Geschäftstätigkeit.

Desinvestitionen sind ein wichtiges strategisches Instrument. Doch sie sind komplex, und anders als bei Übernahmen fehlt es vielen Managementteams an Erfahrung. Unsere Analysen belegen jedoch, dass sich Carve-outs lohnen: Unternehmen, die ihr Portfolio regelmäßig bereinigen, Desinvestitionen proaktiv vorbereiten, die Trennung effizient gestalten und Verkaufserlöse in Akquisitionen reinvestieren, um das Kerngeschäft zu stärken, übertreffen die Performance inaktiver Unternehmen um 40 Prozent. So gesehen sind Desinvestitionen eine Win-win-Situation – und das für Käufer und Verkäufer gleichermaßen.


Klicken Sie hier, um sich die Studie als PDF herunterzuladen.