
Weithin hohe Unsicherheit: Wiwo.de-Leser befürchten Andauern der Krise bis 2011 – und vertrauen ihren Führungskräften nicht mehr!
04.08.2009 - München. Nach Einschätzung der Leser von Wirtschaftswoche Online (www.wiwo.de) ist die Wirtschaftskrise noch lange nicht überwunden. Dies ergab eine Umfrage der Wirtschaftwoche in Kooperation mit der Strategieberatung Bain & Company, an der in den vergangenen Wochen knapp 1.500 Leser teilnahmen. Demnach rechnen 45 Prozent damit, dass die derzeit schlechte Wirtschaftslage noch mindestens zwei bis drei Jahre anhält.
Die hohe Unsicherheit zeigt sich vor allem darin, dass für 47 Prozent die momentane Krise nicht mit früheren Situationen vergleichbar ist. 43 Prozent bereitet vor allem die hohe Krisenbetroffenheit der eigenen Branche grosse Sorgen. Auch das Vertrauen zum Top-Management ist angekratzt: Mehr als 60 Prozent sind sich nicht sicher, ob ihr Unternehmen das richtige Führungspersonal besitzt, um erfolgreich durch die Krise zu steuern.
Die Mehrheit der Befragten sieht die Wirtschaftskrise zudem nicht als Chance für eine neue strategische Aufstellung, für 44 Prozent liegt die Priorität derzeit eher auf der reinen Existenzsicherung. Es fällt Unternehmen schwer, gezielt die relevanten Informationen zu erfassen, die notwendig und wichtig sind, um die Krise effektiv zu managen. Im Gegenteil: Fast die Hälfte gibt zu, dass ihnen zum Teil die Übersicht fehlt, weil die Informationsflut zu gross ist.
Kurzfristig sieht gut 50 Prozent der Befragungsteilnehmer in der Redzierung der Overhead-Kosten das grösste Einsparpotenzial. Produkt- oder einkaufsseitige Massnahmen haben nachrangige Bedeutung. Bei den Möglichkeiten, den Umsatz und die Margen zu stabilisieren, sind sich die Befragten uneins. Ein Drittel bewertet die Neuausrichtung der Verkaufsorganisation als den wichtigsten Hebel. Ebenso viele Befragte sehen das gezielte Management von Kundenloyalität als oberste Priorität. Und ein weiteres Drittel setzt auf Preisanpassungen.
„Ein klares Verständnis des eigenen Kerngeschäfts ist in Krisenzeiten für jedes Unternehmen existenziell. Nur die klare Sicht auf die eigenen Stärken erlaubt es, knappe Ressourcen richtig einzusetzen“, sagt der neue Deutschland-Chef von Bain & Company, Rolf-Magnus Weddigen. Demnach investieren derzeit fast 50 Prozent gezielt in den Ausbau ihres Marktanteils im Kerngeschäft. Übernahmen oder Fusionen stehen jedoch – wenn es um das blanke Überleben geht – für ebenso viele Unternehmen ganz weit hinten in der Prioritätenliste.
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