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Nach einem bereits schwierigen Jahr 2008 für das operative Geschäft der Banken wird sich die Krise in den Jahren 2009 und 2010 voll auf das Ergebnis des gesamten Sektors in Deutschland auswirken und in der Branche zum ersten operativen Verlust seit über 15 Jahren führen. Die wesentlichen Gründe hierfür lassen sich wie folgt zusammenfassen:
Erst ab 2011 wird sich das Geschäft langsam erholen und die Banken werden wieder Gewinne erzielen - allerdings nicht auf dem Niveau von 2007. Allerdings werden nur diejenigen Banken erfolgreich sein, die den kommenden strategischen Herausforderungen sowie dem operativen Handlungsdruck zielgerichtet und adäquat begegnen.
Die beschriebenen Auswirkungen betreffen die Bankenindustrie als Ganzes, je Institut und Geschäftsmodell werden sich die Folgen der Krise jedoch deutlich unterscheiden. Bain & Company hat in einer aktuellen Studie das wahrscheinlichste Szenario einer mittelschweren Krise angenommen – dennoch können aus heutiger Sicht auch extremere Szenarien nicht ausgeschlossen werden.
Geschäftsfelder unterschiedlich stark betroffen
Die Krise wird alle Geschäftsfelder der Finanzinstitute treffen, Zeitpunkt und Intensität werden allerdings deutlich variieren. Das Privatkundengeschäft wird sich am stabilsten entwickeln und lediglich einen Ertragsrückgang von jährlich zwei bis 2,5 Prozent verzeichnen - im Wesentlichen bedingt durch sinkende Erträge aus Wertpapierprovisionen. Ähnlich stabil wird sich auf der Ertragsseite das Firmenkundengeschäft entwickeln - bis 2010 allerdings muss dieses Geschäftsfeld erhebliche Ergebnisbelastungen durch rezessionsbedingte Wertberichtigungen verkraften.
Ergebnisseitig entstehen die stärksten Belastungen für fast alle Banken durch den Rückgang von Treasury und Eigenhandelsergebnissen sowie dem Entfall des Kreditersatzgeschäfts. Auch wenn sich das Investmentbanking analog zum Asset und Wealth Management aufgrund der anziehenden Kapitalmärkte wieder schneller erholen wird, werden diese Geschäftsfelder besonders 2009 eine schwierige Phase erleben. Real Estate und Projektfinanzierung haben bereits im Jahr 2008 durch einen erheblichen Rückgang des Neugeschäfts Ertragseinbussen erlitten, die in grossen Teilen aber wieder aufgeholt werden.
Weiterer Abschreibungsbedarf von 20 bis 30 Milliarden Euro erwartet
Die Abschreibungen deutscher Banken betragen im Dezember 2008 circa 53 Milliarden Euro. Die Strategen von Bain & Company schätzen den zukünftigen Wertberichtigungsbedarf deutscher Banken auf weitere 20 bis 30 Milliarden Euro - losgelöst von rezessionsbedingten realwirtschaftlichen Effekten. Dieser zusätzliche Abschreibungsbedarf erklärt sich unter anderem durch „Nachläufer“, die nach IFRS bisher nicht berichtspflichtig waren sowie Wertkorrekturen aus dem US-Konsumentenkreditgeschäft und in den europäischen Immobilienmärkten.
Deutscher Bankensektor 2010 mit operativem Verlust
Der Gesamtertrag im deutschen Bankensektor betrug 2007 etwa 125 Milliarden Euro, das operative Ergebnis lag bei circa 25 Milliarden Euro. Die operative Eigenkapitalrendite von sieben Prozent liegt deutlich unterhalb des durchschnittlichen Niveaus von Banken aus anderen grossen EU-Ländern. "Nicht 2009, sondern 2010 wird operativ das schwierigste Jahr für die Banken", sagt Dr. Stefan Frank, Partner und Bankenexperte bei Bain & Company. Selbst ohne Berücksichtigung der finanzkriseninduzierten Abschreibungen und trotz der bereits heute geringen Profitabilität wird das operative Ergebnis der gesamten Industrie im Jahr 2010 um 27 Milliarden Euro zurückgehen und mit minus zwei Milliarden Euro negativ ausfallen.
Strukturelle Profitabilität wird weiter zurückgehen
Von einer Erholung ist ab 2011 auszugehen, dennoch werden die Erträge auch 2012 mit 115 bis 120 Milliarden Euro deutlich unter dem Niveau von 2007 liegen. Ohne entsprechende ausserordentliche Kostensenkungsmassnahmen wird das operative Ergebnis des Bankensektors strukturell um circa 35 Prozent auf rund 15 Milliarden Euro sinken. Die Ursachen für diesen dauerhaften Ergebnisrückgang lassen sich im Wesentlichen an folgenden drei Faktoren festmachen:
Das Ergebnis 2012 würde somit einer Eigenkapitalrendite von circa fünf Prozent entsprechen. Bei einer adjustierten und eher konservativen Renditeerwartung von neun bis zehn Prozent würde dies zu einer Wertvernichtung im gesamten Bankensektor von circa 20 Milliarden Euro führen. Im europäischen Vergleich dürfte sich der Abstand zu Ländern wie Grossbritannien, Spanien oder Italien damit bis 2012 noch erhöhen.
Rein rechnerisch wäre ein Abbau von zusätzlichen 70.000 bis 100.000 Arbeitsplätzen der heute 680.000 Arbeitsplätze im deutschen Bankgewerbe notwendig - und das über die bereits angekündigten Abbaumassnahmen hinaus.
Strategische Überprüfung der Geschäftsmodelle auf Tragfähigkeit notwendig
Als Folge der Finanzmarktkrise stellt sich für alle Banken noch stärker als bisher die Frage nach der langfristigen Tragfähigkeit des Geschäftsmodells. Neben den üblichen Anforderungen sind die folgenden fünf Kriterien gerade jetzt von besonderer Relevanz:
Die Überprüfung der Banken-Geschäftsmodelle entlang dieser Kriterien sollte dabei für jedes Geschäftsfeld und für das Geschäftsfeldportfolio insgesamt erfolgen. Handlungsbedarf besteht jetzt vor allem in zyklischen Geschäftsfeldern, wie etwa Spezialfinanzierungen oder kapitalmarktbezogenen Aktivitäten.
Operativer Handlungsdruck und Chancen
Die meisten Banken stehen derzeit unter operativem Handlungsdruck, dem auf drei bewährte Arten begegnet werden kann:
Aufbau zusätzlicher Fähigkeiten
Die Krise hat auch die Notwendigkeit einer zuverlässig informierten und handlungsfähigen Organisation deutlich gemacht. In vielen Häusern besteht noch Verbesserungspotenzial beim Aufbau eines integrierten Risikomanagements, der Schaffung von risikoorientierten Reporting- und Entscheidungsstrukturen sowie bei effizienten Vertriebsmechanismen und –controlling.
Die besten Banken haben begonnen, umfassende Programme aufzusetzen, um von Schwächen des Wettbewerbs zu profitieren und die teilweise einmaligen Chancen zur operativen Verbesserung oder strategischen Neuausrichtung gezielt zu nutzen. „Nie war die Zeit günstiger, strukturell Kosten zu bereinigen und Risiken neu zu bewerten", erklärt Dr. Dirk Vater, Partner und Bankenexperte bei Bain & Company.
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"Die Krise und ihre Folgen für deutsche Banken" als PDF |
Leila Kunstmann-Seik
Tel: +49 89 51 23 12 46
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Die vollständige Studie können Sie hier herunterladen.