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Ende 2008 und Anfang 2009 wurden weltweit Förderprogramme in der Grössenordnung von 1.500 Milliarden Euro von Regierungen bereitgestellt. Davon fliessen rund zwei Drittel der Gelder in den USA (rund 600 Milliarden Euro) und in China (rund 450 Milliarden Euro), während Deutschland mit 85 Milliarden Euro nach Japan mit 184 Milliarden Euro den viertgrössten Anteil stellt. Die Schweiz liegt mit insgesamt 2,6 Milliarden Franken oder 0,5 Prozent des Bruttoinlandprodukts auf den hinteren Rängen. Ein grosser Teil der Mittel wird in den jeweiligen Ländern nicht unmittelbar ausgegeben, sondern auch für Steuererleichterungen und für Sozialprogramme eingesetzt. Im Mittel der von der Privatindustrie adressierbaren Ausgaben in den USA, China und Deutschland wird mit rund 60 Prozent ein hoher Anteil zugunsten von Infrastrukturausbauten – etwa im Transportwesen und Wiederaufbau der Provinz Sichuan in China – und Housing investiert, gefolgt vom Bereich Energie mit rund 25 Prozent. Energie beinhaltet zu einem grossen Teil sogenannte „grüne“ Initiativen, wobei die Brandbreite sehr weit ist. Dazu zählen sowohl die Förderung von erneuerbaren Energien als auch Massnahmen zur Erhöhung der Energieeffizienz von Gebäuden.
Für Schweizer Unternehmen ist es relativ überschaubar, sich einen Überblick über die für sie relevanten Potenziale der Förderprogramme im Inland zu verschaffen, waren doch die insgesamt drei Konjunkturpakete während längerer Zeit Gegenstand der öffentlichen Diskussion. Anspruchsvoller – aber aufgrund der Volumina der ausländischen Pakete auch wesentlich lohnender – ist diesbezüglich eine globale Perspektive: Wo stehen die grössten Förderprogramme in der Umsetzung, und wie kann man daran als Unternehmen partizipieren?
Eine differenzierte Betrachtung der wichtigsten Programme zeigt, dass es grosse Unterschiede in der Umsetzungsgeschwindigkeit zwischen den einzelnen Ländern gibt. So sind zum Beispiel in den USA erst 28 Prozent ausgezahlt oder als Steuervergünstigungen zum Tragen gekommen. Anders sieht es in Deutschland aus, wo über 80 Prozent des Investitionsplans mit konkreten Projekten hinterlegt sind, die sich auch schon in der Realisation befinden oder wo die entsprechenden Gelder bereits fliessen. Weniger transparent ist die Situation bei den chinesischen Programmen. Hier gibt es verschiedene Indikatoren, die darauf schliessen lassen, dass die dortigen Programme effizient umgesetzt werden. So war die Kreditvergabe der staatlichen Banken im ersten Halbjahr 2009 doppelt so hoch wie im selben Vorjahreszeitraum. Gleichwohl hält China schon aufgrund des Volumens der Programme noch erhebliches Potenzial bereit. Fazit: „Schweizer Unternehmen tun gut daran, sich auf die USA und China zu konzentrieren, wenn es um die Teilnahme an Förderprogrammen geht“, sagt dazu der themenverantwortliche Bain-Partner Jens Schädler. „Das scheint zwar auf den ersten Blick nicht naheliegend, ist aber angesichts der Programm-Volumina und aufgrund der heute noch absehbaren Laufdauern am sinnvollsten.“
Ein Vorbild für Schweizer Unternehmen könnte Siemens sein. Peter Löscher, CEO von Siemens, hat bekanntgegeben, dass er weltweit mit einem Einnahmenpotenzial von rund 15 Milliarden Euro aus den Förderprogrammen rechnet. Siemens hat schon sehr früh und konkret die Produkt- und Servicebereiche benannt, die in der Umsetzung der Förderprogramme zum Tragen kommen sollen.
Die Teilnahme an einem grossen Förderprogramm im Ausland kann für Schweizer Unternehmen sehr lohnend sein, sie setzt aber auch einen erheblichen Aufwand in entsprechende systematische Vorarbeiten voraus. Die Grundlage für einen diesbezüglichen Entscheid ist eine erste, grobe Abklärung, ob für das Jahr 2010 noch Chancen bestehen. Die Antwort muss jede Unternehmung individuell finden. Bain & Company schlägt dazu einen 5-Punkte-Check vor:
Jens Schädler formuliert die Empfehlung von Bain & Company für die Schweizer Unternehmen wie folgt: „Je mehr dieser Fragen Sie positiv beantworten, desto lohnender ist es für Ihr Unternehmen, die Opportunitäten der Konjunkturprogramme systematisch zu identifizieren und gegebenenfalls rasch umzusetzen. Es mag sein, dass dem einen oder anderen liberal eingestellten Schweizer Manager die Teilnahme an einem staatlichen Programm suspekt erscheint. Gleichwohl ist im Fall der aktuellen ausländischen Konjunkturpakete Zurückhaltung fehl am Platz: Mit ihrer grossen Erfahrung im internationalen Geschäft und mit einer in vielen Fällen hohen Übereinstimmung ihrer Stärken mit den Programminhalten sind viele Schweizer Industrieunternehmen gut aufgestellt, ihren eigenen Ausgang aus der Krise auf diesem Weg noch zu beschleunigen. Der Blick über die Grenzen unseres Landes hinaus lohnt sich allemal. Wer nichts verpassen will, sollte seine Chancen systematisch abklären. Und das lieber heute als morgen.“
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"Staatliche Konjunkturprogramme – die grössten Potenziale für Schweizer Unternehmen liegen im Ausland" als PDF |
Thomas Gfeller
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